The Dinner

 USA 2017, 120 Minuten, R Oren Moverman, D Richard Gere, Laura Linney, Steve Coogan, Rebecca Hall

Bei diesen Vieren kommt einiges auf den Tisch (Bild: Tobis Film)
Bei diesen Vieren kommt einiges auf den Tisch (Bild: Tobis Film)

Überambitionierte, nicht gänzlich überzeugende Adaption eines gesellschaftskritischen Bestsellers mit tollen Schauspielern.

Sie müssen reden. Die beiden Elternpaare, die sich hier verabredet haben, um das zu regeln, was ihre Kinder getan haben, haben allerdings schwerer Verdauliches auf den Tisch zu bringen als jene andere Vierkonstellation, die einem schnell in den Sinn kommt. Überhaupt ist zwar manches ähnlich, aber auch einiges anders als in Yasmina Rezas von Roman Polanski verfilmter schwarzer Komödie „Der Gott des Gemetzels“: der Tonfall des eher als Krimi-Kammerspiel aufgezäumten Stoffes ist ernster und galliger zugleich, für die stärker miteinander verstrickten Hauptfiguren steht mehr auf dem Spiel, und sie treffen sich auch nicht daheim bei Selbstgebackenem, sondern in einem Gourmet-Tempel, bei dem man drei Monate auf einen Tisch warten muss.

 

Allein dieser Umstand vermiest Lehrer Paul (Steeve Coogan) den Abend schon im Vorhinein, und er erbricht garstige Kommentare noch, während der Maitre d' die opulente Zeremonie bereits in Gang gesetzt hat. Seine Frau Claire (Laura Linney) hingegen lechzt förmlich nach dem Ausflug ins Dekadente. Ihre Schwägerin Katelyn (Rebecca Hall), jüngere zweite Trophäen-Gattin des Kongressabgeordneten Stan (Richard Gere), kocht innerlich. Weil der ihr angetraute, nonchalant lächelnde Gouverneur in spe mehr mit einem zu verabschiedenden Gesetzesentwurf beschäftigt scheint als mit der förmlich brennenden Familienangelegenheit? In welch unterschiedlichen Verfassungen sich die Vier auch zusammensetzen: Man fragt sich mit zunehmender Ungeduld, was genau da eigentlich vorgefallen ist und wann zum Teufel es von wem dieses heuchlerischen Quartetts ausgesprochen wird.

 

Wie in Herman Kochs Bestseller „Het Diner“ von 2009, ein Jahr später erfolgreich auch unter dem treffenden deutschen Titel „Angerichtet“ veröffentlicht, lässt sich Oren Moverman viel Zeit. Gleich dem Roman überträgt er die rituelle Abfolge des Dinners von Aperetif über den Hauptgang bis zum Trinkgeld auf den dramaturgischen Rahmen, um das Anziehen der Spannungsschraube voll auszukosten. Allerdings dreht der Drehbuchautor und Regisseur („The Messenger“, 2009) das Räderwerk nicht nur in übereifriger Anmutung über den Punkt des einwandfreien Funktionierens hinaus, sondern baut auch noch zusätzliche Elemente ein, die die erzählerische Maschinerie bedenklich ins Stocken und Quietschen bringen.

 

Was gut von der niederländischen Vorlage auf – bemerkenswert aktuell wirkende – US-amerikanische Verhältnisse übertragen wurde, ist das selbstgefällige Machtgebahren der bürgerlichen Elite gleich welcher politischen Couleur, das mit unfassbarer Arroganz das Leben der anderen manipuliert und die Wahrheit dabei verzerrt, wie es gerade zupass kommt. Eine bittere Pointe hier wie da ist nicht nur die gleichsam trumpsche Neuinterpretation selbst heftigster moralischer Verwerfungen, sondern wer dabei agiert wie der Potentat im Porzellanladen.

 

Wo der Romancier jedoch die Kunst des feinen Würzens beherrscht, schmeckt der Filmautor mit so viel Zynismus ab, dass das Gesamte verdirbt. Er streckt sein cineastisches Mahl unnötig mit Nebenzutaten wie einer überlangen Rückblende über einen Gettysburgh-Ausflug, die zwar das Verhältnis der Brüder erhellt, aber vom Wesentlichen ablenkt. Man fühlt sich bei all den eingeworfenen Komponenten am Ende selbst, als hätte man in dem hysterisch bis obszön inszenierten Luxusrestaurant gespeist: Ermattet und vollgestopft mit zu vielen Eindrücken und Ideen.

 

Das ist insofern schade, als dass der Eindruck von Überfütterung erst wieder weichen muss und es eines geistigen Digestifs bedürfte, um den hier gereichten politisch-gesellschaftlichen Kommentar, der von den großen Zusammenhängen bis in individuelle Mikrokosmen greift, angemessen goutieren zu können. Ein ungetrübtes Vergnügen ist es jedoch, das Ensemble insgesamt und die Hauptdarsteller im Besonderen bei der Entfaltung ihres Könnens zu erleben. Wobei die Damen glänzen und für Überraschungen gut sind, Richard Gere bis zur vollen Entfaltung seiner Figur ideal besetzt ist, und Steve Coogan den schwierigsten Part zu bewältigen hat. An dem Brocken, den diese Vier hier mit messerscharfen Dialogen, Mimiken und Gesten sezieren, muss man noch kauen.