In Zeiten des abnehmenden Lichts

D 2017, 101 Minuten, R Matti Geschonneck, D Bruno Ganz, Hildegard Schmahl, Sylvester Groth

Hätte den mal der Sascha aufgebaut ... (Bild: Hannes Hubach / X-Verleih)
Hätte den mal der Sascha aufgebaut ... (Bild: Hannes Hubach / X-Verleih)

Wo bleibt Sascha? Es scheint, als sei der abwesende Enkel des großen Mannes die zweite Hauptfigur an jenem bedeutsamen Tag. Nur Sascha verstehe es, das überdimensionierte Monstrum von Festtafel, ein widerspenstiges Möbel mit Nazi-Vergangenheit, vernünftig aufbauen.

Großmutter Charlotte (Hildegard Schmahl) ringt die Hände und fragt immer wieder per Telefon bei Sohn Kurt (Sylvester Groth) nach. Der versucht, im Beschwichtigungs-Spagat zwischen der nervösen Frau Mama und seiner sich aus verschiedenen Gründen systematisch betrinkenden Gattin Irina (Evgenia Dodina) die Wahrheit zu verbergen: Nämlich, dass Sascha (Alexander Fehling) rübergemacht hat.

 

Ausgerechnet der Enkelsohn des hochdekorierten SED-Funktionärs und Alt-Stalinisten Wilhelm Powileit (Bruno Ganz) – und ausgerechnet kurz vor dessen 90. Geburtstag. Zur Feier des Ehrentags im Frühherbst 1989 füllen nach und nach Verwandtschaft, Parteigenossen, Nachbarn und singende Pioniere das auf Hochglanz polierte Heim, um zu gratulieren und einen weiteren Orden zu verleihen.

 

Die Festgesellschaft, die da im Hause Powileit zusammenkommt, mutet wie ein Querschnitt der Bevölkerung des untergehenden Regimes an – und erinnert in der Art, wie vor allem die Nebenfiguren inszeniert sind, an eine Mischung aus Loriot-Personal und leibhaftig gewordenen Gästen der Miss Sophie in „Dinner for One“. Dabei gelingt der Balanceakt zwischen feiner parodistischer Überzeichnung und gröber rumpelndem Humor nicht durchgängig in der Adaption des gefeierten Romans von Eugen Ruge, für die Drehbuch-Legende Wolfgang Kohlhaase („Solo Sunny“) und Regisseur Matti Geschonneck („Boxhagener Platz“) kooperierten. Auch als Familiensaga wirkt der Stoff hier arg gerafft.

 

Als eindrucksvoll erweist sich das bis in kleinste Parts hochkarätig besetzte Ensemble aus west- und ostdeutschen Schauspielgrößen. Bruno Ganz gibt sich passend majestätisch als leicht dementer Patriarch, Sylvester Groth setzt ein unaufgeregtes Gegengewicht, und Evgenia Dodina als seine Frau glänzt in der stärksten weiblichen Rolle.