Die Reste meines Lebens

D 2016, 108 Minuten, R Jens Wischnewski, D Christoph Letkowski, Luise Heyer, Ulrike Kriener

 

Schimon und sein Großvater (Bild: Verleih)
Schimon und sein Großvater (Bild: Verleih)

Schimon weiß, seit er ein kleiner Junge war, wie beiläufig der Tod kommen und was er mitunter für banale Geräusche mit sich bringen kann. Als sein Opa dem Sterben entgegenging, war das schon früh für sein Tonbandgerät entbrannte Kind nicht nur bis zum letzten Moment dabei; es fing das einschneidende Ereignis ebenso mit dem Mikrofon ein wie die Weisheiten des Großvaters.

Prägende Momente, die den erwachsenen Schimon dazu führten, den Weg in gewisser Weise fortzusetzen – als Toningenieur und Spezialist für Hör-Biografien, für die er Alte und Sterbende interviewt.

 

Ein derart offener, frühkindlich angelegter und beständig geübter Umgang mit dem Lebensende, so sollte man meinen, könnte dazu führen, diesem seinen Schrecken zu nehmen oder zumindest auf gesunde Weise Trauerfälle zu verarbeiten. Doch kann man sich wirklich an die Endlichkeit gewöhnen, zumal, wenn es um einen geliebten Menschen geht? Auf Schimon zumindest trifft das nicht zu. Er hat einen Verlust erlitten, dessen genaue Umstände sich dem Zuschauer erst so sukzessive erschließen, wie sie bruchstückhaft in die Seele des Protagonisten eindringen.

 

Nach den ersten Rückblenden auf den Tod des Großvaters lernen wir Schimon (Christoph Letkowski) als umtriebigen Audiokünstler kennen, der zum Broterwerb auch Aufträge für Toiletten-Beschallungen annimmt. Er trifft Milena (Luise Heyer), die als Krankenhausclown selbst regelmäßig mit Sterbenden zu tun hat, und stürzt sich Hals über Kopf in eine Beziehung mit ihr. Zu schnell, um das verarbeiten zu können, was da frisch in seinen fest verschlossenen inneren Tupperdosen zu gären beginnt.

Wenn man die Synopsis zu Jens Wischnewskis Spielfilm-Debüt nur liest, erscheint sie auffällig psychologisiert. Zum Glück weiß der Jungregisseur seine tragische Geschichte in eine zarte, zurückhaltende und trotz poetischer Inszenierungseinfälle ungekünstelte Filmsprache zu übersetzen, die eine bewegende Geschichte erzählt. Gut geführt sind auch die Schauspieler, unter denen Christoph Letkowski in der Hauptrolle herausragt.