Zwischen den Stühlen

D 2016, 102 Minuten, R + B Jakob Schmidt

Die leidige Notendiskussion (Bild: Weltkino)
Die leidige Notendiskussion (Bild: Weltkino)

Mit der Vereidigung beginnt der Vorbereitungsdienst der angehenden Staatsangestellten. Danach wird angestoßen. Die Kamera rückt ganz nahe heran: In einem der Sektgläser treibt reglos eine Wespe, magisch angezogen von dem, was ihr nach viel Strampeln und Rudern dann doch jegliche Kraft raubte.

Was für eine Ouvertüre in einem Film über den zweiten und alles entscheidenden Abschnitt in der Ausbildung von Lehrern in Deutschland! Das erste Langfilmprojekt von Jakob Schmidt, Regie-Absolvent der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, setzt solche symbolträchtigen Bilder wohl dosiert ein und liefert so feine visuelle Kommentare zu seinem Sujet und erzeugt eine atmosphärische Dichte, die einen als Zuschauer ganz nah heranführt an ein System, zu dem jeder einen wie auch immer gearteten Bezug hat.

 

Als (ehemaliger) Schüler oder Erziehungsberechtigter eines schulpflichtigen Kindes jedoch blickt man zwangsläufig aus anderer Perspektive auf jenen Komplex namens Schule – und staunt über die Innenansichten, die einem hier geboten werden. Lehrer, Referendare oder Studierende mit ersten Praxiserfahrungen dagegen dürften verblüfft sein, mit welcher Authentizität hier ein Fachfremder die Belastungen ihres Alltags eingefangen hat. Schmidt und sein Team begleiteten die Protagonisten während ihres gesamten Referendariats; die idealistische, empathische Anna an einer Grundschule, Katja, selbst Tochter einer Lehrerin, an einer schwierigen Gesamtschule und den ehrgeizigen, organisierten Ralf an einem Gymnasium. Still wie die Fliege an der Wand beobachtet die Filmcrew aufregende erste Male dieser Menschen, die von jetzt auf gleich Autoritätsperson sein müssen, aber selbst noch permanent von Seminarleitern bewertet werden: allmorgendlich vor der Klasse, taxiert beim Unterrichtsbesuch, bei leidigen Notendiskussionen, beim Elternsprechtag. Es prägt sich ein, wie man dabei nicht nur unterschiedliche pädagogische Ansätze und Motivationen miterlebt, sondern auch Druck, Frust und Selbstzweifel in diesem gesellschaftlich so bedeutsamen Beruf.

 

 

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