Berlin Rebel High School

D 2017, 92 Minuten, R Alexander Kleider

Rebellisch oder nur durchs Raster gefallen? (Bild: Verleih)
Rebellisch oder nur durchs Raster gefallen? (Bild: Verleih)

An diesem Institut zur Erlangung der mittleren und der Hochschulreife ist zwar so einiges anders als an herkömmlichen Schulen, doch sie trägt nicht wirklich den schillernden Namen, den der Filmtitel suggeriert, sondern heißt nüchtern SFE Berlin – Schule für Erwachsenenbildung.

Gefährliche Rebellen trifft man dort auch eher weniger, sondern junge Menschen, die durch das Raster der regulären schulischen Laufbahn fielen, jetzt aber einen Abschluss nachholen wollen. Autor und Regisseur Alexander Kleider („Im Schatten des Tafelberges“), selbst ehemaliger SFE-Schüler, beweist mit solchen öffentlichkeitswirksamen Begriffen ebenso wie mit der Dramaturgie und Gestaltung seiner zweiten Kinoarbeit eben ein Gespür für Storytelling.

 

Sein äußerer Schauplatz ist Kreuzberg, das Innere der Schule macht einen auf lässige Weise abgerockten Eindruck mit den Graffitis an den Wänden und dem wie vom Sperrmüll zusammengestellten Mobiliar. In den bunten Räumen agieren Menschen, die sich durchgängig duzen und auf Augenhöhe begegnen, die ihr gemeinsames Projekt in Selbstverwaltung betreiben und zusammen in Schuss halten, und die alle Entscheidungen in der vierzehntägigen Vollversammlung sowie bei anderen Gelegenheiten ausgiebig diskutieren. Die Protagonisten sind gutmütige Alt-Achtundsechziger-Lehrer, eine toughe Verwaltungsfrau, die öfter etwas nachhelfen muss beim Erwachsenwerden der Studierenden, und ein paar Schülerinnen und Schüler, die exemplarisch auf ihrem Weg zum (Nicht-)Bestehen der finalen Prüfungen begleitet werden.

 

Alexander Kleider gelingt es, diese Anfang bis Mitte Zwanzigjährigen als Charaktere zu porträtieren, zu denen man in anderthalb Stunden eine gewisse Bindung entwickelt. So entsteht nicht nur Verständnis für ihre Geschichten von Mobbing, Autoritätsproblemen und Leistungsdruck. Die kürzlich für den Deutschen Filmpreis als bester Dokumentarfilm nominierte Produktion weitet den Blick über den Tellerrand des deutschen Bildungssystems hinaus und hinterfragt den generellen Wert von Bildung in unserer Gesellschaft.

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