Gimme Danger

USA 2016, 108 Minuten, R Jim Jarmusch, D Iggy Pop, Ron Asheton, Scott Asheton, James Williamson

Mr. Osterberg, ausnahmsweise ziemlich bekleidet (Bild: Verleih)
Mr. Osterberg, ausnahmsweise ziemlich bekleidet (Bild: Verleih)

„Wir sind an einem geheimen Ort und befragen Jim Osterberg über die Stooges, die größte Rock'n'Roll-Band überhaupt“, spricht trocken eine Stimme aus dem Off, während der ältere Herr vor der Kamera in einer unordentlichen Fensterecke mit den Augenbrauen und den Zehen in seinen Gummilatschen wackelt. Unspektakulärer als Jim Jarmusch und sein langjähriger Kollaborateur („Dead Man“, „Coffee and Cigarettes“), der besser unter seinem Künstlernamen Iggy Pop bekannt ist, kann man einen Musik-Dokumentarfilm kaum aufzäumen. Später geben sie sich beide etwas mehr Mühe.

Da sitzt Iggy mit schwarzen Hemd und Nadelstreifenhose auf einem thronartigen Stuhl, neben sich, wie Insignien, Totenköpfe auf Säulen. Wenn der König des Michigan-Punk Hof hält, lümmelt er allerdings barfuß auf dem hässlich protzigen Sitzmöbel und sieht mit seinen blondierten Spaghettihaaren, der Solariumsbräune und dem von allerlei Exzessen gezeichneten Körper so abgefuckt aus, wie man ihn schon immer kennt und liebt. Er erzählt von früher, Freund Jarmusch steuert Archivaufnahmen bei und man schwelgt gemeinsam in wilden Zeiten.

 

Wir erfahren von Osterbergs Kindheit in einer Wohnwagensiedlung, wo er früh seine Liebe zum Lärm entdeckte und von den gutmütigen Eltern das Schlafzimmer als Proberaum für sein Drumset freigeräumt bekam. Welche Fernsehsendungen ihn in den Fünfziger und frühen Sechziger Jahren so beeinflussten, dass sie sich später in seiner Musik niederschlugen. Wie er zu Iggy wurde, mit den Brüdern Ron und Scott Asheton an Gitarre und Schlagzeug sowie Bassist Dave Alexander die „Psychedelic Stooges“ gründete und Hundehalsbänder als modische Accessoires entdeckte. Kurz: den ganzen Werdegang der Band, die Jarmusch so verehrt und von der als inzwischen einziger Überlebender nur noch Iggy Pop selbst berichten kann.

 

Das Ergebnis ist mit seiner eher chaotischen Anordnung mehr Puzzle als übersichtliche Chronologie, in seiner distanzlosen Bewunderung mehr Denkmal eines glühenden Fans denn Dokumentation. Und auch, wenn man von einem eigenwilligen Filmkünstler wie Jim Jarmusch etwas Ausgefalleneres hätte erhoffen können als diese stilistisch eher simple, insgesamt vielleicht sogar etwas zu ausschweifende Sammlung aus Interviews und Auftritten: „Gimme Danger“ rockt.

 

Wenn man sich auskennt mit Iggy und den Stooges, erfährt man nichts bahnbrechend Neues, bekommt aber doch eine Fülle an launigen Anekdoten und ungesehenem Archivmaterial gereicht, die das bekannte Bild unterhaltsam bis lehrreich abrunden. Die Tonmischung ist exzellent, so dass es ein zusätzlicher Genuss ist, die Songs über die Anlage eines Kinos zu genießen. Man zollt der Vitalität des inzwischen siebzigjährigen Protagonisten Respekt. Und sogar der lakonische Jarmusch-Humor blitzt immer wieder auf. Mehr braucht es manchmal nicht.