Happy Burnout

D 2017, 103 Minuten, R André Erkau, D Wotan Wilke Möhring, Anke Engelke, Julia Koschitz

Alexandra (Anke Engelke), die Therapeutin, stellt Fussel (Wotan Wilke Möhring) zur Rede. © Thomas Kost, 2016
Alexandra (Anke Engelke), die Therapeutin, stellt Fussel (Wotan Wilke Möhring) zur Rede. © Thomas Kost, 2016

Müsste man ihm ein Arbeitszeugnis ausstellen, so könnte man über Andreas Poschka (Wotan Wilke Möhring) schreiben, er sei stets bemüht um Kontinuität, zeige gutes Einfühlungsvermögen und sei immer gesellig.

Im Klartext: Der Alt-Punk, der sich seit der Schulzeit Fussel nennt, bezieht Hartz IV, seit es die Grundsicherung gibt und möchte an seinem Status als Langzeitarbeitsloser auch nichts ändern, weil er lieber flirtet und feiert. Auch hat die ihm sehr zugewandte Sachbearbeiterin Frau Linde (Victoria Trauttmansdorff) bisher nie Zicken gemacht. Doch wegen einer internen Prüfung droht Fussels Dolce Vita nun ein Ende.

 

Einziger Ausweg: Frau Linde beschafft ihm ein Arbeitsunfähigkeitsattest, drückt ihm „Burnout für Dummies“ in die Hand und schickt ihn in ein Sanatorium. Die Klinikleiterin (Ulrike Krumbiegel) ist ebenso skeptisch wie die zuständige Psychologin (Anke Engelke) – und als sie Fussel auf die Schliche kommen, haben auch sie einen Deal. Er darf bleiben, wenn er als Undercover-Therapeut für die wirklich Ausgebrannten hilft: der überforderten Super-Mama (Julia Koschitz), dem Karrieretypen ohne Ausknopf (Torben Liebrecht), dem Kinder-Entertainer mit Nervenzusammenbruch (Kostja Ullmann) und dem schlimm verbrannten Schweigsamen (Michael Wittenborn).

Die ganze Prämisse verlangt natürlich schon das Schlucken einer kapitalen Kröte zum Zwecke der komödiantischen Unterhaltung, das Figurenarsenal scheint geradewegs dem Boulevardtheater entsprungen. Regisseur André Erkau kann das eigentlich subtiler; gerade nach „Das Leben ist nichts für Feiglinge“, der ersten Kooperation mit Autor (Gernot Gricksch) und Hauptdarsteller, enttäuscht die klamaukige, ein Klischee ans andere reihende Handlung hier doch sehr. Dafür leuchten die schauspielerischen Glanzlichter wie Krumbiegels gewiefte Chefin oder Engelkes fein dosierte Variante der toughen Frau. Vor allem aber ist dies Möhrings Film: Er gibt den lässigen Lebenskünstler mit so viel Charme, das man ihm verfallen will wie die gute Frau Linde.