Stille Reserven

A/D 2016, 95 Minuten, R Valentin Hitz, D Clemens Schick, Lena Lauzemis, Stipe Erceg

 

Wenn der Assekuranzagent (Clemens Schick) aus dem System fällt © Camino Filmverleih
Wenn der Assekuranzagent (Clemens Schick) aus dem System fällt © Camino Filmverleih

Schöne neue Welt? In einer unbestimmten nahen Zukunft hat die Medizin Gevatter Tod immerhin so weit ein Schnippchen schlagen können, dass dieser in den meisten Fällen erst nach 200 Lebensjahren eines Menschen zum Zuge kommt.

Jedoch: Diese extrem ausgedehnte Existenz ist hier nichts Erstrebenswertes, sondern etwas, gegen das man sich versichert, wenn es der Geldbeutel erlaubt. Wer verschuldet ist, und das ist der Großteil der Bevölkerung, der wird gewaltsam am Leben erhalten, bis der Gegenwert physisch abgeleistet ist – mit Körpern, die als Datenspeicher oder Brutkästen genutzt werden. Assekuranzagent Vincent Baumann (Clemens Schick) dealt ungerührt mit Todesversicherungen und hat nur die eigene Karriere im Blick. Bis er aus dem System geschubst wird und die Untergrundaktivistin Lisa Sokulowa (Lena Lauzemis) trifft, die für das Recht auf Sterben kämpft.

 

Es ist ein starkes, beklemmendes Szenario, mit dem Autor und Regisseur Valentin Hitz eröffnet. Dem offensichtlichen Mangel an finanziellen Mitteln setzt er gekonnt einen ausgefeilten Formwillen entgegen. Die monochromen Bilder und ästhetisch raffinierten Sets eines futuristischen Wiens (gedreht wurde auch in Berlin) verblüffen – wobei der Grat zwischen perfekt konzipierter Umsetzung und theaterhafter Künstlichkeit schmal ist. Extrem artifiziell bis unfreiwillig komisch sind Dialoge und Schauspielerführung. Die Entwicklung der Handlung gerät rasch zur vorhersehbaren Enttäuschung, die philosophischen Ansätze verpuffen.

 

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