Zu guter Letzt

USA 2017, 108 Minuten, R Mark Pellington, D Shirley MacLaine, Amanda Seyfried, Annjewel Lee Dixon

 

 

Harriet Lauler (Shirley MacLaine) hat auch im Radio gerne das letzte Wort © 2017 Tobis
Harriet Lauler (Shirley MacLaine) hat auch im Radio gerne das letzte Wort © 2017 Tobis

Wie sie da im Fenstersturz steht, die Arme verschränkt, angestrahlt von der Helligkeit im Vorgarten, eingerahmt vom Dunkel des Zimmers – schon dieses Eröffnungsbild verrät viel. Man assoziiert die Form eines Sarges, denkt an das Licht, das Sterbende beim Übergang ins Jenseits sehen und angesichts der oberlehrerhaften Pose auch an eine Aufseherin. Und richtig: Harriet Lauler ist eine ebenso hochbetagte wie wohlhabende Dame, die es gewohnt ist, das letzte Wort zu haben.

Sie nimmt aber nicht nur ihrem Gärtner die Heckenschere aus der Hand und ihrer Köchin den Löffel, sondern rauscht eines Tages in die Redaktion der örtlichen Zeitung, um schon mal ihren Nachruf in Angriff zu nehmen. Die zuständige Redakteurin Anne Sherman ist verblüfft, muss sich aber der Anweisung des Chefs fügen, um die Gönnerin des Blattes nicht zu erzürnen. Allerdings ist auch Anne kein Typ, der sich die Butter vom Brot nehmen lässt, und so ist das unfreiwillige gemeinsame Projekt zweier starker Charaktere von einigen Machtkämpfen und scharfen Worten begleitet.

Die weitgehend vorhersehbare und eher langatmig angelegte Handlung ist die größte Schwäche dieser Komödie, die sich in mancher Sackgasse verliert und lose Enden baumeln lässt. Dafür umgeht Regisseur Mark Pellington („Arlington Road“) die meisten albernen Momente, die man aus ähnlichen Mainstream-Produktionen kennt und leistet sich einen angenehmen Indie-Touch, der in lässigen Songs und Frauenfiguren mit Ecken und Kanten zum Ausdruck kommt. Dass die große Shirley MacLaine hier noch einmal eine Hauptrolle hat, in der sie das weibliche Äquivalent des alten Griesgrams à la Jack Nicholson verkörpern darf und nicht bloß eine verbiesterte Zicke, sorgt für viele Lacher, aber auch melancholische Momente. Amanda Seyfried („Mamma Mia“) spielt ihr gut zu. Zwischen wunderbar bösen Dialogen und gut recycelten Weisheiten macht sich sogar ein bisschen „Gilmore Girls“-Feeling breit in diesem unterhaltsamen Plädoyer für den Mut, sein Ding zu machen – egal, in welchem Alter.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0