Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens

Dokumentarfilm

CH 2016, 92 Minuten, R Nicolas Wadimoff

Jean Ziegler in Leipzig. Bild: W-film Verleih
Jean Ziegler in Leipzig. Bild: W-film Verleih

Was er stets in seinen Unterlagen bei sich trägt: die Erklärung der Menschenrechte, den World Food Report und vor allem diese schrecklichen Bilder. Von Kindern, deren Gesichter durch eine Krankheit zerstört sind, die vor allem in Entwicklungsländern vorkommt. Dass der Hunger, ausgelöst durch soziale Ungerechtigkeit, also politische und wirtschaftliche Missstände, sein größter Feind ist – daran will sich Jean Ziegler immer erinnern, auch wenn er sich mal müde und weniger motiviert fühlt auf seiner Mission.

Es ist faszinierend, mit welchem Elan der inzwischen 82-jährige Soziologieprofessor, Autor und Vorreiter der Globalisierungsgegner immer noch um die Welt reist, Interviews gibt und führt und vor allem Reden hält. Sein Manuskript hat er auf wenige Stichworte auf vier kleinen Zetteln eingedampft. Wichtiger sei, so sagt der Mann, der immer noch Massen bewegen kann, der Augenkontakt und die Ansprache des Einzelnen. Einladungen zu Konferenzen lehnt er ab; in der Zeit arbeite er lieber.

Der Schweizer Filmemacher Nicolas Wadimoff, vor 30 Jahren Student von Ziegler, ist so klug, seine Herangehensweise an das Objekt der Bewunderung als „kritische Empathie“ zu beschreiben. Heikle Punkte, wie die Unterstützung Zieglers von Ex-Revolutionären, die nun als Diktatoren herrschen, thematisiert Wadimoff eher in vom Off kommentierten Montagen als im direkten Gespräch. Seine geringe Distanz zum Porträtierten führt aber auch zu intimen Einblicken, die (mit-)denkende Zuschauer durchaus selbst einzuordnen in der Lage sind.

 

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