Boston

Ein bisschen fühlt sich das nach Déjà-vu an: Mark Wahlberg in der Rolle des kernigen Kerls, der sich von seiner Frau zu einem scheinbar ganz gewöhnlichen Arbeitseinsatz verabschiedet – und sich bald schon in einer Ausnahmesituation wiederfindet, in der er über sich hinauswachsen muss. Vor gerade mal drei Monaten lief das Action-Drama „Deepwater Horizon“ in den deutschen Kinos an, in dem er den Alltagshelden auf der Ölplattform spielte, ebenfalls unter der Regie Peter Bergs. Nun hat sich das bewährte Duo also wieder realer Ereignisse angenommen, diesmal rund um den Boston Marathon vom 15. April 2013.

 

Damals verübten die Brüder Dschochar und Tamerlan Zarnajew einen Bombenanschlag an der Zielgeraden, bei dem drei Menschen starben und 264 weitere zum Teil schwer verletzt wurden. Wieder schubst uns Berg mitten hinein ins Geschehen, das in seiner fiktionalisierten, aber dokumentarisch anmutenden Gesamt-Rekonstruktion einen starken Sog entwickelt. Erfunden ist etwa die Figur, die Wahlberg verkörpert; sein Polizist Tommy Saunders ist jedoch ein Konglomerat verschiedener echter Einsatzkräfte. Aus dramaturgischen Gründen und denen der emotionalen Bindung ergibt das durchaus Sinn.

 

Saunders, physisch eingeschränkt wegen Knieproblemen, harrt der Dinge am Ziel und hat gerade noch seiner Frau (ähnlich unterfordert wie Kate Hudson in „Deepwater Horizon“: Michelle Monaghan) zugewunken, die sich unter den Zuschauern tummelt, da explodiert der erste Sprengsatz. Panik, Chaos, schreiende, rennende und stürzende Menschen, von denen wir zuvor noch einige flüchtig kennenlernen konnten. Ein junges Paar, das buchstäblich auseinandergerissen wird, ein kleiner Junge, der, abrupt von seinem Vater getrennt, nun ganz alleine in dieser Hölle steht und laut weint.

 

Es sind schwer erträgliche Szenen in diesem ersten Teil des Films, nicht nur weil diesmal keine Profis in Risikoberufen betroffen sind, sondern Leute wie du und ich, und weil die Nachrichtenbilder von vor knapp vier Jahren sofort wieder im Kopf sind. Es ist die sehr authentisch inszenierte Darstellung der unmittelbaren Auswirkung eines Terrorakts - das Entsetzen, die Angst und die blutigen Details, die hier diverse Grenzen überschreitet und die Wirklichkeit unserer Tage vielleicht zu drastisch ins Kino holt. Dann aber konzentriert sich die Handlung auf die mit beeindruckendem logistischen Aufwand choreografierte Polizeiarbeit, methodisch klassisch bis CSI, und wächst zu einem Thriller, der mit Souveränität in Schauspiel und Technik enorme Spannung erzeugt.

 

Thrillerdrama

Boston, USA 2016, 133 Minuten, R Peter Berg, D Mark Wahlberg, Kevin Bacon, J. K. Simmons

 

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