Fences

Ein paar Latten sind aufgestellt, der Großteil der Bretter stapelt sich noch im Hinterhof. Das Projekt Zaun muss warten. Es ist Troy Maxson (Denzel Washington) durchaus wichtig, seinen Grund und Boden einzufrieden. Das für diesen Zweck beschaffte Holz ist von bester Qualität. Aber es gibt andere Dinge in Troys Leben, die höhere Priorität besitzen.

 

 

 

Wenn der Mann heimkommt nach einer weiteren Woche körperlich zehrender Arbeit bei der städtischen Müllabfuhr im Pittsburgh der Fünfziger Jahre und mit seinem befreundeten Kollegen ein kühles Bier zischt, das Gattin Rose (Viola Davis) lächelnd über die Hintertreppe reicht, dann steht ihm der Sinn eben mehr nach einem geruhsamen Feierabend. Und reden.

 

Was in Troys Fall bedeutet, dass er große Worte schwingt, gut abgehangene Anekdoten auspackt und sich in nicht enden wollenden Monologen verliert. Je nach Laune darf sein geneigtes Publikum Stichworte beisteuern und sich die Lachtränen aus den Augen wischen. Oder es ergießt sich eine wütende Suada über das bedauernswerte Gegenüber, die kleinmacht und schmerzt. So wie bei seinem Sohn Cory. Mit dem wollte er eigentlich den Zaun bauen. Doch der Junge legt es auf eine Profi-Baseballkarriere an und hat keine Zeit. Der Patriarch ist ganz und gar nicht einverstanden.

 

Nicht umsonst hängt ein alter Baseball an einem Baum in diesem gleichermaßen heimelig wie trostlos wirkenden Garten. Er ist das Symbol für den Weg, den Troy in jungen Jahren nicht gehen konnte. Talent hin oder her, zu dieser Zeit gestand die amerikanische Gesellschaft ihren dunkelhäutigen Bürgern ebenso wenige Chancen im Sport zu wie auf jedem anderen Terrain. Dass sich das geändert haben soll, kann die Hauptfigur in der Adaption von August Wilsons mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Stück nicht sehen – und zwingt alle, die sich nicht wehren können, in die Schablone der eigenen Überzeugungen.

 

Es sind starke dramatische Konflikte, die sich aus den sozialen, aber auch emotionalen Deformationen des tragischen Helden ergeben. Wilson, der vor seinem Tod im Jahr 2005 selbst noch das Drehbuch zu „Fences“ verfasste, brachte einen zehn Stücke umfassenden Zyklus über die Geschichte der Schwarzen in den USA heraus, der dort inzwischen mit dem Werk von Arthur Miller oder Tennessee Williams verglichen wird. Die Handlung, die Züge von „Tod eines Handlungsreisenden“ und auch „King Lear“ trägt, weist jedoch über die Historie der unterdrückten Bevölkerungsgruppe hinaus. Sie funktioniert allgemeingültiger als Psychogramm eines früh gebrochenen Mannes, der selbst erlebtes Leid an seine Familie weitergibt. Und – gleichsam als dunkles Gegenstück zu „La La Land“ - wie ein Mahnmal der zerplatzten Träume, das zeigt, wie sich nicht ausgelebte Energie in etwas Zerstörerisches wandeln kann.

 

Denzel Washington und Viola Davis, die ihre Rollen schon am Broadway spielten und beide Oscarnominierungen erhielten, verkörpern Troy und Rose auch vor der Kamera eindringlich. Er glänzt zudem in der Führung seiner Kollegen, zeigt als Regisseur jedoch Schwächen in der Übertragung des Stoffes auf die große Leinwand – was vor allem in der ersten Stunde zu unnötiger und anstrengender Langatmigkeit führt. Dass das Theaterhafte stets präsent bleibt, auch wenn das Kammerspiel meist unter freiem Himmel stattfindet, passt jedoch gut. Denn dieser Troy Maxson kann nicht anders, denn als ewiger Darsteller des eigenen Schicksals zu agieren und Dramen zu inszenieren, auf seiner engen, halb eingezäunten Hinterhof-Bühne, wo er die Welt aussperren und das, was ihm gehört, festhalten will.

 

Drama

Fences, USA 2016, 139 Minuten, R Denzel Washington, D Viola Davis, Mykelti Williamson, Stephen Henderson

 

Zur Filmwebsite FENCES

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0