The Girl with all the Gifts

Die Waise Melanie (Sennia Nanua) ist ein erschreckend vorbildliches Kind. Sie fügt sich mit schüchternem Lächeln jeder noch so harten Restriktion, eifert voller Wissbegierde dem Unterricht entgegen und strahlt schon, wenn ihre Lieblingslehrerin Miss Justineau (Gemma Arterton) den Raum betritt. Ein artiges Geschöpf. Und eines, von dem tödliche Gefahr ausgeht.

 

 

 

Wie der Großteil der Menschheit ist Melanie von einem Pilz befallen, der vor allem das Gehirn zersetzt und seinen Wirt zu einem Dasein verdammt, das wechselt zwischen stumpfem Vegetieren und Anfällen blutrünstiger Fressgier, sobald ein gesunder Artgenosse in Reichweite gerät. Den „Hungries“ genannten Infizierten gehen angesichts ihrer überwältigenden Überzahl jedoch allmählich ihre Nahrungsquellen aus, den noch verschont gebliebenen Menschen die Perspektiven.

 

In einer britischen Militärbasis arbeitet die Biologin Dr Caldwell (Glenn Close) fieberhaft an einem Antiserum, während Helen Justineau fest an das Humane im Zombie glaubt und alles daran setzt, die Hirne der bereits in zweiter Generation mit der Mutation Geborenen durch Bildung zu retten. Melanies Verhalten zeigt tatsächlich Grund zur Hoffnung, denn sie kann die raubtierhaften Impulse weitgehend kontrollieren. Für Dr. Caldwell umso mehr ein Grund, das Mädchen für ihre Experimente zu benutzen. Doch ehe im Ringen um das besondere Kind eine Siegerin hervorgehen kann, wird das Camp von Hungries überrannt und die kleine Gruppe muss unter der Obhut des skeptischen Sergeant Parks (Paddy Considine) fliehen.

 

Der Roman „Die Berufene“, den Autor Mike Carey selbst für die Verfilmung adaptierte, beinhaltet alle typischen Merkmale, die Zombie-Plots nicht erst seit der jüngsten Popularitätswelle des Subgenres kennzeichnen. Trotz der dazugehörigen Attacken, die in ihrer blutigen Explizitheit dem empfindsameren Teil des Publikums mitunter den Magen umdrehen können und der üblichen Flucht- und Kampf-Schemata ist der Schwerpunkt hier jedoch anders gesetzt. Es werden die philosophischen und mythischen Aspekte betont, wenn jenes mit all den Gaben begüterte Mädchen ähnlich der Pandora zwar die übelsten aller Übel entfesseln kann, aber eben auch als potenzielle Heilsbringerin fungiert. Das führt in irritierender Ambivalenz allerdings dazu, das in dieser kraftvoll variierten Geschichte die Horror- und Actionelemente eher lästig erscheinen.

 

In der ästhetischen Umsetzung findet TV-Regisseur Colm McCarthy (u.a. „Sherlock“) bei seinem Kinodebüt zwar keine großen Bilder, sondern verlegt sich eher auf Understatement, doch einige Einfälle (wie ein grotesker „Baum“ im postapokalyptisch überwucherten London) hinterlassen bleibenden Eindruck. Noch stärker brennen sich die Figuren und ihre Darsteller ein. Wobei das Haupt-Gegensatzpaar, das Zombie-Mädchen und die engagierte Lehrerin, am meisten fesselt. Gemma Arterton glüht förmlich vor liebevollem Überlebensgeist, und die damals erst 12-jährige Newcomerin Sennia Nanua überzeugt in beiden Extremen ihrer schwierigen Rolle.

 

Horrordrama

The Girl with all the Gifts, GB 2016, 110 Minuten, R Colm McCarthy, D Gemma Arterton, Paddy Considine, Glenn Close

 

Zum Trailer The Girl with all the Gifts

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0