Suburra

Schwarz dräuen Wolken über der ewigen Stadt, sintflutartiger Regen ergießt sich über die Pflasterstraßen, die Apokalypse steht bevor. Zwar scheint hier ein alttestamentarischer Gott zu zürnen, doch der Untergang Roms stellt sich mehr und mehr als nicht schicksalhaft, sondern menschlichen Ursprungs heraus. „Man-made“ im doppelten Sinne, denn die Katastrophe, die hier heranzieht, ist vor allem von Männern gemacht.

 

 

 

Männer wie der Parlamentarier Malgradi, der mit kirchlichen Würdenträgern und der Vatikan-Bank sowie mit der Mafia korrupte Geschäfte vorantreibt. Man erweist sich gegenseitig Gefallen, schert sich nicht um Moral und reibt sich in profitgeiler Vorfreude die Hände. Das aktuelle Projekt der verkommenen Bruderschaft von Strippenziehern, ein Kasinokomplex im Hafen-Vorort Ostia, läuft jedoch vollkommen aus dem Ruder. Der Tod einer minderjährigen Prostituierten, die mit einer Überdosis bei jenem Malgradi stirbt, ist der erste Dominostein, der eine fatale Ereigniskette auslöst.

 

So finster hat man das italienische Zentrum der Macht im Kino lange nicht gesehen; es scheint geradezu die teuflische Unterseite von Paolo Sorrentinos genialer Rom-Hymne „La Grande Bellezza“ (2013) zu entblößen. Ein auf abstoßende Weise fesselndes Tableau einer Macho- und Macht-Welt, gezeichnet in schier größenwahnsinnigen Bildern irgendwo Film noir und harten, zeitgenössischen Thrillern, überhöht durch die rauschartige Musik des Electronic-Duos „M83“. Angesichts der Fülle der interessanten Figuren und Handlungsstränge wirkt vieles atemlos und verkürzt, so dass der auf einer Romanvorlage basierende Stoff geradezu nach einer Adaption als Serie schreit – und richtig, Netflix bringt sie bereits 2017 heraus.

 

Über einen cholerischen Jung-Mafiosi heißt es am Anfang des mehr als zweistündigen, niemals langatmigen Epos einmal, er habe „mehr Eier als Verstand“. Was den Geist des gesamten Filmes tatsächlich gut auf den Punkt bringt und dem Publikum eine gewisse Toleranz abverlangt, sich aber im Dienste der Geschichte als ideale Herangehensweise zeigt. (jdü)

 

Thrillerdrama

Suburra, I/F 2015, 130 Minuten, R Stefano Sollima, D Greta Scarano, Pierfrancesco Favino, Jean-Hugues Anglade

 

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