Verborgene Schönheit

Was tun, wenn der Vorstand in nichts anderes mehr seine Energie steckt als in meterlange, komplizierte Domino-Strecken? Howards (Will Smith) weitläufiges Büro steht voller bunter Spielsteinchen, niemand darf es betreten, von einer oberen Treppe des verglasten Bürogebäudes schauen sich die Geschäftspartner das Trauerspiel an und schütteln die Häupter. 

Da Whit (Edward Norton), Claire (Kate Winslet) und Simon (Michael Pena) aber nicht nur Mitinhaber der allmählich strauchelnden Agentur sind, sondern dem in der Trauer um seine tödlich verunglückte kleine Tochter seelisch erkrankten Howard auch privat verbunden, beschließen sie: So geht es nicht weiter!

 

Was die ach so Besorgten daraufhin tun, ist ein besonders abschreckendes Beispiel für den Spruch von Freunden, dank derer man keine Feinde mehr braucht. Sie beauftragen nicht nur eine Detektivin, die Beweise für Howards Unzurechnungsfähigkeit beibringen soll, damit das Trio selbst – man hat schließlich die Verantwortung für Belegschaft und Familie - die Geschäftsführung übernehmen kann. Nein, die dreisten Drei heuern auch noch Schauspieler an, deren Auftritte den armen Howard geradewegs in den Abgrund stoßen sollen – als Verkörperungen der Liebe (Keira Knightley), der Zeit (Jacob Latimore) und des Todes (Helen Mirren), an die der Verzweifelte Briefe schrieb.

 

Natürlich werden am Ende alle ihre Lektionen lernen, auf dass sich wieder Harmonie und seelische Balance einstellen – egal, ob dies innerhalb der Story glaubwürdig erscheint, ob diese Lektionen mit dem Knüppel eingebläut werden müssen oder ob sich jegliche Magie, die hier so gerne beschworen werden möchte, bereits nach wenigen Minuten auf Nimmerwiedersehen verabschiedet. Auf dem Niveau von Selbsthilfebüchern vom Ramschtisch schludert Drehbuchautor Allan Loeb (der das Thema Trauer in „Things We Lost in the Fire“ einst ungleich subtiler anging) eine Geschichte hin, die nur unfreiwillig so zynisch wirken wollen kann.

 

Leider weiß auch Regisseur David Frankel („Der Teufel trägt Prada“) nichts Inspirierendes oder Originelles mit dem Stoff anzufangen. Was umso tragischer ist, als dass hier doch ein mehr als beachtliches Aufgebot an Schauspiel-Größen versammelt agiert. Hut ab, wie es einzig Helen Mirren dennoch gelingt, die Fesseln ihrer Rolle zu ignorieren und fröhlich eine eigene Show zu zelebrieren. Nicht deplatziert wirkt letztlich nur Will Smith, der durch „Das Streben nach Glück“ und „Sieben Leben“ ja bereits vertraut ist mit derartigen filmischen Besinnungsaufsätzen.

 

Drama

Verborgene Schönheit, USA 2016, 94 Minuten, R David Frankel, D Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet, Helen Mirren

 

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